Teilzeitjob?

Gepostet von am Feb 29, 2016 in Behind the scenes, Neuigkeiten | 10 Kommentare

Es war eine schwierige Entscheidung für mich: sollte ich nach meinem Volontariat eine Vollzeit- oder doch lieber eine Teilzeitstelle anstreben? Mehrere Monate trug ich diese Entscheidung mit mir herum.

Ich möchte ehrlich sein: neben der Arbeit den Bachelor zu schreiben, die Schreibnacht zu betreuen, sich um Hund & Haushalt zu kümmern und dann auch noch Freundschaften zu pflegen… Es gab mehr als einen Tag, an dem ich nur wenige Stunden Schlaf fand. Ganz zu schweigen von meinem liebsten Hobby, dem Schreiben, das unter meinem Lebensstil deutlich litt, wie ihr leider bestimmt gemerkt habt.
Im letzten Jahr war ich überdurchschnittlich häufig krank, hatte mit gehäufteren Migräneattacken zu kämpfen und bin regelmäßig verzweifelt.

Gegen einen Teilzeitjob sprach natürlich das geringere Gehalt. Die Mieten in München sind teuer, Tierarztkosten hoch und irgendetwas soll die kleine Fellnase ja auch noch essen – und zwar nicht unbedingt billiges Futter, das für seine Gesundheit gerade förderlich ist.
Außerdem überlegte ich lange, wie das wohl im Lebenslauf aussehen würde; ein Teilzeitjob direkt nach der Ausbildung? Waren Sie faul, Frau Jäger? Nicht motiviert genug? Fehlender Ehrgeiz?
Außerdem ist ein Teilzeitjob in der Buchbranche nicht so einfach zu finden.

Letztendlich waren das Schreiben und die Schreibnacht die entscheidenden Faktoren. Ich wollte mich mehr mit meiner Leidenschaft beschäftigen können. Obwohl ich meinen Job liebe, möchte ich mehr Zeit mit meinen Romanen verbringen können. Häufiger in meine Welt abtauchen. Und letztendlich meinem großen Traum hinterher jagen: einmal vom Schreiben leben zu können.
Von 39 auf 30 Stunden in der Woche zu reduzieren war hier der erste Schritt für mich.
Seit dem 01.02.16 arbeite ich nun mit der reduzierten Stundenanzahl.

Am besten lasse ich die Zahlen sprechen:

Ziel: 10.000 Wörter
Geschrieben: 18.404 Wörter in 16 Tagen
Überarbeitet: 2 Tage
Höchste Wortzahl an einem Tag: 4.010

(Zum Vergleich die Zahlen des Januars)

Ich habe demnach zwar einen Tag weniger geschrieben, aber 8.000 Wörter mehr zu Papier gebracht!
Wie ich mir diesen Unterschied erkläre? Ganz einfach: seit ich jeden Tag weniger arbeite, habe ich unter der Woche mehr Zeit, mich um die Dinge des Alltags zu kümmern: Putzen, Kochen, Einkaufen, Nachhilfe, SCHLAFEN.
Der letzte Punkt ist vermutlich der Hauptgrund. Da ich unter der Woche nun meine 6-8 Stunden Schlaf (davor waren es 2-4 Stunden) bekomme, liege ich am Wochenende nicht mehr vollkommen fertig im Bett und kann mich ausgiebigen Schreibsessions widmen. Meine Kraftreserven sind aufgetankt und ich fühle mich viel kreativer und motivierter.
Doch auch unter der Woche komme ich häufiger zum Schreiben, denn obwohl ich im Februar einen Tag weniger geschrieben habe, möchte ich in Erinnerung rufen, dass ich im Januar eine Woche frei hatte.
Neben dem höheren Schlafpensum, spielt sicher auch mein schlechtes Gewissen eine Rolle: ich habe meine Stunden reduziert, um zu schreiben und an der Schreibnacht zu arbeiten.
Glücklicherweise gehöre ich zu den Menschen, die sich selbst ganz gut in den Hintern treten können – und was ist ein besserer Arschtritt als die Erinnerung daran, dass ich weniger Geld verdiene, um meinen Traum zu verfolgen? Wenn ich das nicht tun würde, wären Zeit und Geld verschwendet; ein Gedanke, den ich nur sehr schwer ertrage. Also haue ich in die Tasten bis sie Glühen…
Damit ich das Büro mit gutem Gewissen jeden Tag um 15 Uhr verlassen kann.

10 Kommentare

  1. Ohh, da hast du eine wundertolle Entscheidung getroffen! Und eine mutige noch dazu. Ich habe meine Arbeitszeit gerade heute auch um 4 Stunden die Woche reduzieren können, was mir pro Monat 16 Mehrstunden für Bücher und Projekte gibt.

    Weniger Gehalt zu wählen, um dich voll und ganz in deine Leidenschaft stürzen zu können, ist ein wirklich mutiger Schritt *applaudiert* und ich drücke dir fest die Daumen, dass du deinen Traum erarbeitest und von deinen Büchern leben kannst.

    Aber auch wenn wir uns noch nicht lange kennen, hab ich da irgendwie so gar keine Zweifel dran. :D

    • Profilbild von Jennifer Jäger

      Schade, dass ich deinen Kommentar erst jetzt entdecke :o
      Vielen Dank für deine lieben Worte! <3

  2. Ist echt cool :) Hatte damals auch die Stundenzahl von 40 auf 30 reduziert und dann gänzlich meinen Job aufgegeben, um mich selbstständig zu machen. Ich betreue NICHS! Auch wenn es finanziell nicht immer rosig ist, stehe ich jeden Morgen mit einem Lächeln auf den Lippen auf. Also, du kannst stolz auf dich sein: Glück ist die neue Währung!

  3. Hi Jennie,

    ich finde es super, dass du dich getraut hast, diese Entscheidung zu treffen. Dauernd krank zu sein und kaum Schlaf zu bekommen, ist ja kein soooo tolles Leben und wenn du jetzt viel glücklicher, produktiver und ausgeschlafener bist – perfekt! :) Und wenn dich mal ein Personaler fragt, warum du nur Teilzeit gearbeitet hast, dann schick ihn zu uns Schreibnachtlern, wir erklären ihm das :D

    Liebe Grüße
    Caro

  4. Schön, dass es für dich klappt! Ich finde, Teilzeitstellen haben ein dämliches Stigma, dass jene nur für Mütter zB sind. Ich habe mich auch auf Teilzeitstellen beworben und das Studium als Begründung vorgeschoben, nun “leider” eine Vollzeitstelle bekommen und bin mal gespannt, wie sich das auf das Schreiben auswirkt, denn der Hund will ja auch bespaßt werden.

  5. Sehr schöner Artikel :)

    Der zweite Absatz spricht mir aus der Seele. Im letzten Jahr gab es bei mir auch berufliche Veränderungen, die mich um Weihnachten herum vollkommen ausgeknockt haben (körperlich & seelisch); dazu kam, dass die bessere Hälfte leider null Verständnis dafür hat, dass ich nicht die Belastbarkeit einer Nachkriegsfrau zeige und 5 Mio. Sachen in den 48h, die ein Tag hat, schultern kann, und ebenfalls Stress gemacht hat. Spaß hatte ich keinen, selbst wenn ich versuchte, mich einem Hobby zu widmen …

    Anfang des Jahres habe ich dann die Notbremse gezogen und wie du die Stunden reduziert, von 40 auf 32. Von diversen anderen körperlichen Wehwehchen und Projektunmut abgesehen, war das die richtige Entscheidung. Mittlerweile schreibe ich auch wieder, Tiere und Haushalt sind auch besser unter einen Hut zu kriegen … mehr Motivation, mehr Kraft und irgendwann klappt’s auch mit dem Bestseller ;)

    Dir alles Gute in der “freien” Zeit.

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