Studium – Das wars?

Gepostet von am Jul 15, 2015 in Blog, Kolumnen, Kurzstatement, Zwischengedanken | 13 Kommentare

Vor einem Jahr schrieb ich bereits einen Blogbeitrag über mein Studium und löste damit eine Diskussion aus (zumindest sind 40 Kommentare unter einem Beitrag für mich ziemlich viel). In dem Beitrag kritisierte ich die Inhaltslosigkeit und den Aufbau des Studiums.

Vor wenigen Wochen schloss ich nun mein Studium ab und ich denke, dass es Zeit wird, einen kurzen Rückblick zu geben.

Drei Jahre – ganze drei Jahre war ich an der Uni. Mein Hauptfach war während dieser Zeit Germanistik, mein Nebenfach wechselte ich drei Mal (Geographie. Digital Humanities. Sprache, Literatur & Kultur). Nun kann ich stolz behaupten: ich habe es geschafft. Trotz meiner Selbstzweifel, trotz meiner Frustration und vor allem trotz meines Wunsches, einfach alles hinzuschmeißen. Ich habe mich durch (meines Erachtens nach) sinnlose Prüfungen und Referate gequält, habe viel über Buddhismus und Altisländisch gelernt, sowie eine Bachelorarbeit zum Thema “Malefiz: die Figur des weiblichen Bösen im medialen und kulturellen Wandel.” geschrieben.

Mein Fazit?

Ich fühle mich großartig und vielleicht sogar ein klein wenig schlauer. Nicht, weil ich mein Wissen über Märchen oder Mittelhochdeutsch jemals werde verwenden können. Genauso wenig wie ich jemals in einem Bewerbungsgespräch mit dem Thema meiner Bachelorarbeit punkten kann (es sei denn, ich bewerbe mich bei Disney… Hm… So gesehen…).

Der Artikel vor über einem Jahr entspricht noch immer genau meinen Gedanken, weshalb ich (erst einmal) keinen Master machen werde. Allerdings möchte ich den Beitrag um einen Aspekt ergänzen: vielleicht hat mir mein Studium inhaltlich nichts gebracht. Möglicherweise waren die letzten drei Jahre nicht das, was ich mir von der Uni erwünscht oder erhofft hatte – aber dafür habe ich mich durchgebissen.

Und dieser eiserne Willen, den ich durch das Studium erlangt habe; die Phasen voller Trauer und Verzweiflung, die ich nun überstanden habe; die Panik, als ich in nur eineinhalb Wochen meine Bachelorarbeit schreiben musste – all das hat mich geprägt.

Mein Studium hat mir vielleicht kein Wissen vermittelt, das ich brauchen werde, aber andere Dinge, die mich (hoffentlich) mein ganzes Leben begleiten werden: Ausdauer, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, auch mal etwas durchzuhalten, was total sinnlos erscheint.

Denn seien wir mal ehrlich: im Leben werden immer wieder solche Phasen kommen. Phasen, in denen man an sich selbst und seinem Weg zweifelt. Drei Jahre lang habe ich das nun überstanden… Was soll mich jetzt noch erschüttern?

 

(Anmerkung: ich möchte damit nicht suggerieren, dass ein Studium immer sinnlos ist und ich bewundere wirklich jeden, der die Uni liebt. Aber für mich persönlich war es einfach nicht das Richtige. Auch, wenn mich die Inhalte interessiert haben… Vermutlich bin ich einfach nicht der Typ für ein Studium. Das zu akzeptieren hat mich sehr viel Kraft gekostet und ich möchte betonen, dass dieser Artikel rein subjektiv ist.)

13 Kommentare

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  2. Ich denke da genauso wie Du Jennifer. Das Studium war auch für mich eine Zeit des Durchhaltens, inmitten staubtrockener Dozenten, Lehrbücher, teils motivierter- und unmotivierten Zeitgenossen. Jeder Mensch empfindet sein Studium und diese Zeit anders. Wichtig ist die Tatsache, dass man es abgeschlossen hat. Für sich selbst – um dann befreit den Weg für sich und seine Sache weiter zu gehen. Danke, toller Artikel & ich werde Dich heute nach langer Zeit mal wieder im Freizeitcafe erwähnen. Liebe Grüße aus Bochum, Christian Gera

  3. Mein erlernter Beruf nutzt dir glaub ich nix aber ich erze4hl dir gern mal mienen Lebenslauf nach der mittleren Reife. Gelernt: Bfcrokauffrau, 3 Jahre. Nicht weil ich es wollte sondern weil ich nicht wusste was ich sonst machen soll und es irgendwie alle gemacht haben. Dann – kurz vor der Prfcfung – aufgehf6rt wegen Krankeit. Depression und Borderline dann Magersucht. Therapie ambulant, dann statione4r. Dann aufgehf6rt (Horror-Kliik), dann nochmal statione4r (super-Klinik) und abermals Ambulant im Anschluss. Ich hab in meinem Leben 5 Therapeuten gehabt, davon 3 sehr gute. Anschliedfend, mit Hilfe meiner Mama, fcberlegt was ich denn wirklich machen will im Leben. Also ICH. Okay, seit ich 4 Jahre alt bin wollte ich SChauspielerin werden. Aber das ist kein bodenste4ndiger Beruf. Das kann ich nicht machen. Doch, kann ich – so Mama. Also Schauspielschule gesucht, beworben, genommen worden. 3 Jahre Ausbildung zur staatlich anerkannten Schauspielerin (mit Diplom). Das war im Juli 2011. Seitdem versuche ich mienen Lebenstraum zu verwirklichen (Kinofilme, evtl. auch erstmal gute TV Produktionen). Im Moment spiele ich an nem kleinen Theater und jobbe halbtags. ICh zweifle regelme4ssig daran dass das was ich tue richtig ist. Aber ich will es so unbedingt und jetzt geb ihc sicher nicht mehr auf! Ach so, ich bin wie gesagt 25. In dem Alter sind andere Juniorchefs oder sonst was “tolles”.

  4. Ich habe gerade zwei Semester studiert und bin über deinen Beitrag gestolpert, wobei ich es interessant finde, dass du genau so über das Studium denkst wie ich. Nur mit einem Unterschied: Ich habe nach den zwei Semestern die Reißleine gezogen und mich für ein anderes Studium entschieden, weil ich den Inhalt für absolut sinnlos erachtet habe. Also chapeau, dass du durchgehalten hast! Wirklich! Dafür hast du meine größte Hochachtung! Dennoch habe ich auch das Gefühl, dass man am meisten auf menschlicher Ebene lernt und vor allem lernt man sich selbst plötzlich ganz anders kennen, was teilweise auch sehr erschreckend ist.
    Viel Glück auf deinem Weg und noch einmal: RESPEKT! :)

  5. Mich würde mal in drei Jahren Deine Gegenüberstellung Studienleben Arbeitsleben interessieren.
    Ich habe mein Studienleben vor allem wegen des Lebens außerhalb der Uni sehr genossen. Das Berufsleben killt viel Lebensfreude.

    • Ich habe vor dem Studium bereits ein Jahr gearbeitet (Vollzeitpraktikum) und habe es viel mehr genossen, was allerdings an meinem Berufsumfeld (Verlag) gelegen haben mag. Im Praktikum konnte ich voll aufgehen. Nun arbeite ich auch seit März und fühle mich dort viel wohler als jemals in der Uni.

  6. Du weißt ja eigentlich schon, dass ich mit dir einer Meinung bin was das angeht, aber ich dachte mir ich kommentier es nochmal ^^
    Zumal ich finde, dass du einen entscheidenen Punkt vergessen hast:
    Auf der Nicht-Uni Ebene bringt dir ein Studium verdammt viel. Du kommst nirgendwo so schnell und leicht mit Menschen in deinem Alter und mit deinen Interessen in Kontakt wie an der Uni. Sieh doch uns beide an – wir wären uns ohne das Studium nie begegnet. Ich mag vielleicht nicht zu den Leuten gehören, die wahnsinnig viel mit meinen Kommilitonnen herumhängt, aber ich habe doch Freundschaften – richtige Freundschaften – schließen können und tolle Gespräche geführt.
    Und: Die Uni bietet dir Zeit. Wenn man nicht gerade Medizin oder Jura studiert und/oder es mit absoluter Leidenschaft macht hat man sehr viel Zeit für die eigenen Hobbys – Uni ist zwar auch irgendwo ein Vollzeit Job und verdammt viel Arbeit – ABER man kann sich seine “Arbeitszeiten” selber einteilen und wenn man stinkfaul ist hat man genau die Pflichtveranstaltungen und eine Woche Lernstress.
    Und in dieser Zeit kann man viel kreatives schaffen, man kann zB so etwas wie die Schreibnacht hochziehen ;) Diesen Aspekt hat die Uni auch noch, das wollte ich nur schnell loswerden :D

    • Das stimmt! :D

  7. Woah, anderthalb Wochen für die Bachelorarbeit? Das ist krass. Sehr krass und ich kann deine Panik sehr gut nachvollziehen – ich hatte schon welche, weil ich zwei Wochen vor der Zeit abgeben musste, da mein Abgabetermin Silvester war (und wem machen wir was vor? Wo fände ich da eine Druckerei, die offen hat und bezahlbar ist?…)
    Aber anderthalb Wochen…
    Wow.
    Glückwunsch zum be- und überstandenen Studium, gerade weil es so eine bergige Geschichte bei dir war. Du hast dir das Triumphgefühl, es geschafft zu haben, redlich verdient.

  8. Schön, dass du es durchgezogen hast :) Ich wünsch dir viel Erfolg für das, was nun kommt.
    (Bachelorarbeit in 1 1/2 Wochen?! Die Story würd ich gern lesen!)
    LG, Kato

    • Ja, da ich schon arbeite, hatte ich nur eineinhalb Wochen Urlaub für die BA… :D

      • Glückwunsch dafür, dass du dich trotz aller Zweifel durchgebissen hast.
        Wenn ich in bestimmten Fächern in meiner Ausbildung sitze, denke ich mir auch manchmal: Warum muss ich das lernen und was hat es mit meiner Ausbildung zu tun?
        Was hat es mit der Praxis zu tun?
        Warum so viel Theorie, wenn es in der Praxis doch ganz anders aussieht?

        Aber manchmal denke ich, dass es vielleicht später Sinn macht. Sicher, das wird nicht alles, aber sei es, dass ich die Erfahrung gewonnen habe, dass mir dieses Fach/dieser Bereich nichts in meinem späteren Berufsleben bringt.
        Das ist doch auch was :)
        Funktioniert zwar nicht immer, aber es funktioniert dennoch.

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