Film-Review “The Revenant”

Gepostet von am Feb 14, 2016 in Blog, Meinung/Rezensionen | 1 Kommentar

Eigentlich sollte dieser Blogbeitrag die Überschrift “Verriss” tragen, denn wenn ich eines vornweg sagen kann, dann folgendes: der Film hat mir absolut nicht gefallen.

Nicht, weil er nicht gut gemacht gewesen wäre – im Gegenteil: das Licht jeder Szene ist großartig, Leonardo diCaprio und Tom Hardy schauspielern großartig, die Landschaftsaufnahmen sind großartig und die Kostüme sind großartig.
Großartig.
Dennoch hat der Film es geschafft, diese großartigen (ich wiederhole mich) Komponenten zu – wie sage ich es am besten? – einem absolut nicht gelungenen Gesamtwerk zu machen.
(ACHTUNG, SPOILER!)
Der Trailer deutet den Plot bereits an: Rache.
Rache ist ein bekanntes Filmmotiv, das gerne genutzt wird und auch durchaus funktionieren kann. Zu Beginn des Films wird der Protagonist Hugh Glass so gezeichnet, dass man sein Motiv der Rache durchaus nachvollziehen kann.
Wirklich. Ich verstehe, dass man sich rächen möchte, wenn ein Kerl aus Profitgier und Rassismus meinen einzigen Sohn vor meinen Augen umbringt. Am liebsten wäre ich selbst durch die Kinoleinwand gesprungen, um Fitzgerald die Kehle durchzuschneiden.
Hier wären wir allerdings bereits beim ersten Knackpunkt: ein Antagonist, der sich lediglich durch Profitgier auszeichnet. Gemischt mit etwas Fremdenhass und unnötiger Brutalität ergibt das genau den Gegenspieler, den man schlicht und ergreifend als abgedroschen empfindet.

Als wäre ein abgedroschener Antagonist nicht genug: sämtliche Charaktere des Films erfüllen einen Stereotyp – und um noch eins draufzusetzen sind sie alle böse (abgesehen von einem einzelnen Indianer, der Glass hilft und Minuten später stirbt) und durchlaufen keinerlei Charakterentwicklung.

Fitzgerald stirbt als Bösewicht.
Die Indianer töten ihn.
Glass stirbt, nachdem er seine Rache bekommen hat, freiwillig.

Auch über Charaktere, die sich nicht weiterentwickeln und nach mehreren Monaten (bzw. 2 1/2 Stunden) noch genauso hassgetrieben sind wie zu Beginn des Films, könnte ich hinwegsehen. Ich erwarte nicht von jedem Kinofilm ausgeklügelte Charaktere und zufriedenstellende Heldenreisen.

ABER zusätzlich zu der nicht vorhandenen Charakterentwicklung und den durchweg negativ gezeichneten Figuren glänzt der Film mit unnötiger Brutalität (und wenn ich das als Splatter-Fan schreibe, soll das etwas heißen).

Pferde werden ausgenommen, Menschen abgeschlachtet, Frauen vergewaltigt.
Am eindruckvollsten war wohl die berüchtigte Bärenkampfszene. Wir alle wissen, dass ein Grizzly in der freien Wildbahn nichts Gutes bedeutet. Erst recht nicht, wenn es ein Muttertier ist, das seine Kinder verteidigt. Weshalb muss man also mehrere Minuten zeigen, wie DiCaprio herumgeschleudert und aufgeschlitzt wird? WARUM?
Die Szene ist gut gemacht; gut gefilmt, gut geschauspielert.
Allerdings erwarten den Zuschauer in den Film unzählig in die Länge gezogene Szenen, die lediglich dazu dienen, die Brutalität von Glass Überlebenskampf zu zeigen. Nicht eine Szene. Nicht zwei. Nein – der gesamte Film dreht sich darum.

Am Ende verließ ich den Kinosaal und war zutiefst erschüttert.
Zweieinhalb Stunden realitätsnahes Leid eines Menschen, der um sein Überleben kämpft, um zu töten.
Mehr hat der Film inhaltlich nicht zu bieten und das ist es, was mich so dermaßen daran stört.
Mir entzieht sich die Aussage des Films, denn letztendlich geht es lediglich um Leid und Rache. Ich erwarte kein Happy Ending von solch einem Film. Aber irgendetwas positives; wenigstens ein Charakter, der nicht von Rache, Geld oder Rassismus getrieben ist. Ein Charakter, der sich verändert.

Letztendlich lässt der Film mich mit der Frage zurück, was er dem Zuschauer vermitteln will – abgesehen von der Befriedigung der Lust nach brutalen Szenen.
Vielleicht bin ich zu sensibel, um das zu verstehen… Aber auch nachdem ich jetzt mehrere Tage darüber nachgedacht habe, hat sich meine Meinung nicht geändert. Leider.

Pluspunkte:
Die Schauspieler sind großartig!
Die Landschaftsbilder wecken Fernweh.
Kostüme & Setting wurden mit viel Liebe zum Detail gefertigt.

Minuspunkte:
Der Plot ist vorhersehbar.
Die Charaktere handeln allesamt aus negativen Motiven und durchlaufen keine Entwicklung.

Fazit:
Definitiv nichts für Sensible! Der Film lässt keinen Raum für das Gute im Menschen und reizt brutale Szenen unnötig aus.

1 Kommentar

  1. Ich war gestern ebenfalls in dem Film und denke wie du. Du hast es ganz genau auf den Punkt gebracht.
    Der Film ist nichts für einen leichten Magen. (Ich hatte schon angst mein mann kotzt mir auf den schoss – der kann nämlich nicht so viel Blut sehen und da gab es ja einige stellen)
    LG
    Jasmin

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