Autorengeplauder: Kurzgeschichten sind einfach zu kurz!

Gepostet von am Apr 12, 2015 in Kolumnen, Neuigkeiten, Zwischengedanken | 6 Kommentare

Heute morgen habe ich (12 Tage nach der eigentlichen Deadline) endlich meine Kurzgeschichte für eine Anthologie abgeschickt.
Für die 5.994 Wörter habe ich sechs Monate gebraucht.
Zum Vergleich: Traumlos Band eins hat 79.681 Wörter, die in einem Monat geschrieben wurden.

Ich denke, damit wäre es klar: Kurzgeschichten liegen mir nicht.
Nicht, weil ich sie ungerne schreibe oder weil ich keine Ideen dafür habe, sondern weil es mir unglaublich schwer fällt, eine ganze Geschichte aus meinem Kopf in wenige Seiten zu pressen – dabei würde ich das so gerne können! Ich liebe es, Kurzgeschichten zu lesen; vor allem jene aus dem 18. Jhd. haben es mir angetan. Ich bewundere Märchen, bei denen ich nach wenigen Seiten mit offenem Mund und klopfendem Herzen zurückbleibe. Kurzgeschichten können so aussagekräftig sein… Und ich bringe es einfach nicht fertig, selbst eine zu schreiben.
Ja, das macht mich unzufrieden. Sehr sogar. Die letzten sechs Monate waren Neid und Verzweiflung meine ständigen Begleiter. Neid, weil andere Autoren scheinbar mühelos Kurzgeschichten in einer Woche verfassen können – und Verzweiflung, weil ich glaubte, meine eigene wäre zu schlecht, um überhaupt jemals gedruckt zu werden.
Einen Charakter in nur einem Satz zu beschreiben und ein Gefühl mit wenigen Worten passend auszudrücken… Bei Romanen habe ich damit nicht ein so großes Problem (glaube ich zumindest), aber bei Kurzgeschichten wende ich jedes Wort tausendmal, tausche es durch Synonyme aus und streiche es am Ende doch ganz, sodass ich für eine Kurzgeschichte einfach viel länger brauche. Ganze Szenen werden verworfen und gekürzt, Charakterentwicklungen gerafft und Ortbeschreibungen gekürzt.

Bei einem Roman tue ich das auch und doch fällt es mir bei einer Kurzgeschichte schwerer – warum?
Ganz ehrlich: ich weiß es nicht.

Ich weiß nur, dass ich sehr stolz darauf bin, trotz meiner Selbstzweifel endlich eine Kurzgeschichte abgeliefert zu haben, mit der ich durchaus zufrieden bin.
Und ich ziehe meinen virtuellen Hut vor jedem Autor, der gerne und gute Kurzgeschichten schreibt… Denn ich bin froh, dass ich mich jetzt wieder meinem 300 seitigen Romanprojekt widmen kann.

6 Kommentare

  1. Als ich angefangen habe, Kurzgeschichten zu schreiben, dachte ich, dass ich jeden Tag eine komplette fertige Kurzgeschichte schreiben würde. Das Ergebnis war so erschütternd, 12 Geschichten nach einem Jahr. Jemand, der das volle Buch “Im ..” gelesen hat, meinte, dass ich viel mehr schreiben sollte. Eher schreibe ich einen Roman von 600 Seiten, als dieses Buch zu erweitern.

    Das verstehen die Leute nicht. Kurzgeschichten sind überhaupt nicht einfach zu schreiben und noch schwieriger zu vermarkten.

    Im Zweifel für die Kunst!

  2. Auf Fanfiction wird man schnell popule4rt, vor allem du Ace, da man sogar nach keaptiln sortieren kann und so die gewaltigsten Geschichten rausfiltern kann. Etwas was Animexx fehlt und die Suche nach guten Geschichten ffcr mich erschwert ^^

  3. Das Problem einer Kurzgeschichte: Der Platz. Jedes Wort muss seine Funktion erfüllen, tut es das nicht, ist es überflüssig.
    Bei einem Roman hingegen kümmert es niemanden, ob du am Ende zwei Seiten mehr hast, weil du dieses und jenes noch extra genau beschreiben wolltest. Da plagt dich beim Schreiben (und beim Überarbeiten)kein schlechtes Gewissen. Eine Szene darf einmal länger sein, darf nur ausschmücken, die Handlung nicht voraustreiben, sondern zum Verweilen einladen. Es ist schließlich ein Roman, du wirst auf hunderten von Seiten noch genügend Action und wichtige Szenen haben.
    In einer Kurzgeschichte hingegen bist du auf wenige Szenen begrenzt, auch Zeitsprünge sind schwer (man kann z.B. nicht zwei Kapitel mit einer Rückblende einschieben, um wichtige Fakten aus der Vergangenheit einzuholen), und die Gefahr eines Infodumps ist groß. Das macht das Arbeiten an Kurzgeschichten schwer, auch wenn einem das nicht immer bewusst ist: Unbewusst saust einem das alles durch den Kopf und hat seine Auswirkungen auf den Schreibprozess.

    Das Schreiben von Kurzgeschichten und Romanen sind sozusagen zwei Paar Schuhe.
    Ich habe früher nur große Fantasyromane verfasst, seit über einem Jahr bin ich nun vollständig auf Kurzgeschichten umgestiegen. Ich habe das umgekehrte Problem: Das Kurzfassen ist mir ins Blut übergegangen, selbst wenn ich eine größere Geschichte erzählen will, stelle ich fest, dass ich viel früher fertig bin, als ich dachte und wollte.

  4. Ja, ich bin nicht allein! ;)
    Nein, ernsthaft, der Post spricht mir aus der Seele. Die Kurzgeschichten-Form kriege ich auch nur höchstens mal in Form von “Momentaufnahmen”, in denen es weniger um die Geschichte als um ein Gefühl oder einen vagen Gedanken geht, hin.

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